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Test: Beetronics Abelha Tropical Fuzz, Verzerrer-Pedal

Fuzz in drei Geschmacksrichtungen

12. Mai 2024

Das Beetronics Abelha Tropical Fuzz ist ein auffÀlliges Boutique-Verzerrerpedal, dessen Sound von der psychedelischen Musikszene Brasiliens inspiriert ist. Wie es dort klingt und was man sonst noch mit dem Effektpedal anstellen kann, klÀren wir in diesem Test.

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Zugegeben, ich bin nicht der grĂ¶ĂŸte Fan von Fuzz-Pedalen, ich stehe eher auf röhrige Sounds, wie man sie aus einem Tube Screamer, einem Klon oder aus einer Ratte kennt. Andererseits haben diverse Fuzz-Sounds Rockgeschichte geschrieben, darunter sind auch einige meiner All Time Favourites wie Working Man von Rush, Foxy Lady und nicht zuletzt hat Matt Bellamy den kratzigen Sound fĂŒr mich wieder salonfĂ€hig gemacht, als mir mein Sohn Supermassive Blackhole unter die Ohren gerieben hat. Nun gut, ich gehe mit offenen Ohren daran, das Beetronics Abelha Tropical Fuzz zu sezieren und lasse euch gern teilhaben.Beetronics Abelha Tropical Fuzz Top

Beetronics Abelha Tropical Fuzz – A little history

ZunĂ€chst mal sollte hier einleitend eine kleine ErklĂ€rung stehen, warum dieses Pedal den Titel „Tropical Fuzz“ trĂ€gt und was es mit den Bienen (und Blumen?) nun auf sich hat. In Brasilien gibt es eine alternative Musikszene, die sich auf der TropicĂĄlia-Bewegung (oder auch Tropicalismo) der 60er-Jahre grĂŒndet. Wikipedia schreibt dazu: „Die Bewegung des Tropicalismo entstand in den frĂŒhen 60er-Jahren als Reaktion auf den MilitĂ€rputsch in Brasilien und die einhergehende repressive Politik. Eine politische Bewegung, die gekennzeichnet war von Kritik der KonsummentalitĂ€t und dem Einfluss der Massenmedien sowie von der Sorge um die Beschneidung politischer Rechte, verband sich mit der Suche nach einem neuen musikalischen Ausdruck jenseits der gĂ€ngigen Pop-Klischees und Bilder von Brasilien. So entstand die Bewegung des Tropicalismo.“

Namhafte KĂŒnstler der jĂŒngeren Vergangenheit haben sich von dieser Bewegung in musikalischer Weise beeinflussen lassen, hier seien David Byrne oder Beck genannt. Das hört sich zwar alles recht spannend an, aber wie klingt TropicĂĄlia denn nun? TropicĂĄlia ist eine Mischung aus traditioneller brasilianischer Musik, wie etwa dem Bossa Nova, mit Avantgarde und Elementen des Rock, wie Jimi Hendrix ihn zelebrierte. Auch die Beatles tauchen stilistisch immer wieder in Songs des TropicĂĄlia auf. Die bekannteren KĂŒnstler dieser Subkultur nennen sich Caetano Veloso, Gilberto Gil oder Os Mutantes. Ein kurzes, sehr informatives Video findet sich auf YouTube.

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Mehr Informationen

Beetronics Abelha Tropical Fuzz – Facts & Features

Das Beetronics Abelha Tropical Fuzz-Pedal erweist sich direkt beim Auspacken als echtes SchmuckstĂŒck. Ein leicht pultförmiges, lĂ€ngliches Pedal entweicht der komplett aus Pappe und Papier bestehenden Verpackung. Richtig gelesen, ich kann, außer dem beigelegten Plektrum, keinerlei Kunststoff entdecken und feiere diese Tatsache direkt als ersten Pluspunkt. Eine dreidimensionale Platte, die die Oberseite des Pedals ziert und in die alle Bezeichnungen der Regler eingraviert wurden, gibt dem Beetronics Abelha Tropical Fuzz eine edle, vintageorientierte Note.

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Das Pedal ist etwa 184 × 86 × 69 mm groß, alle drei AnschlĂŒsse befinden sich an der Frontseite. FĂŒr die Inbetriebnahme ist ein Netzteil mit 9 V und mindestens 60 mA notwendig, die Hohlsteckerbuchse hat Standardmaße und trĂ€gt den Minuspol innen. Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Ein Input und ein Output im Klinkenformat wollen mit Gitarre und Amp in Verbindung treten. Das sollen sie auch, aber zunĂ€chst noch ein paar Details.Beetronics Abelha Tropical Fuzz Top Angled

Knapp die komplette untere HĂ€lfte des Pedals gehört dem Fuß und zwar in Form eines stabilen, mit dem GehĂ€use verschraubten Tasters. Diesem wohnen mehrere Funktionen inne. Ein kurzer Tip erweckt das Beetronics Abelha Tropical Fuzz zum Leben und outet sich somit als Bypass-Schalter, der einen True-Bypass auslöst. Neben der im Fender-Amp-Style gehaltenen Kontrollleuchte an der oberen Kante des GehĂ€uses, melden sich sechs kleine LEDs zu Wort, die zwischen Pink und Blau changieren und eine kleine Lightshow veranstalten.

DrĂŒckt man den Fußtaster doppelt, wechselt das Pedal in den „Tropical Mode“. Was das ist, erklĂ€re ich spĂ€ter. Als Zeichen der Aktivierung des Tropical Modes wechseln die sechs Gizmos nun auf ein anderes Farbmuster, das zwischen Gelb, GrĂŒn und Blau wechselt. Es ist auch möglich, diesen Modus durch dauerhaftes DrĂŒcken des Tasters vorĂŒbergehend zu aktivieren, durch Loslassen das Tasters kehrt man dann in den normalen Modus zurĂŒck. Drei unterschiedliche Tempoprofile fĂŒr den Schaltvorgang können fĂŒr diesen Schaltmodus gespeichert werden, Immediate, Medium und Lazy. Das ist vorbildlich gelöst und fĂŒr mich der zweite große Pluspunkt.

Beetronics Abelha Tropical Fuzz Inside

Die RĂŒckseite der Platine ist, ebenso wie die Frontplatte, ein kleines Kunstwerk

Damit man weiß, aus in welchem Modus man sich befindet, bevor man das Fuzz aus dem Bypass befreit, lohnt ein Blick auf die sechs kleinen LEDs. Ist der normale Modus im Bypass, leuchten diese tĂŒrkis. Falls man aus dem Tropical Modus in den Bypass gewechselt hat, sind die LEDs grĂŒn. Ein kleines, aber nicht unwesentliches Hilfsmittel, um vor vermeidbaren Peinlichkeiten zu schĂŒtzen.

Ein kleiner, vor versehentlichem Umschalten gut geschĂŒtzter Kippschalter, vom Hersteller liebevoll „Flavor Toggle“ genannt, schaltet zwischen drei unterschiedlichen GeschmĂ€ckern des Fuzzes um. FĂŒr die Bienchen, die auf Pollen stehen, kommt der Polen Mode zur Anwendung, hier liefert das Beetronics Abelha Tropical Fuzz einen kratzigen, spitzen Sound, der ein wenig an eine sterbende Batterie in einem Germanium-Fuzz erinnern soll. Etwas sĂŒĂŸer geht’s im Nectar Mode zu, hier wird der Effekt runder, weniger „kaputt“ und insgesamt deutlich fetter. FĂŒr die ganz verwöhnten Bienchen ist der Honey Mode gedacht, er liefert noch mehr Gain und ist der vielseitigste der drei Modi.

Vier Regler kĂŒmmern sich um die Feineinstellungen des Sounds, wobei Loud hier die LautstĂ€rke des Effektes, Buzz den Gain-Anteil und Hi und Lo die entsprechenden Frequenzen bearbeiten. Bleibt zu klĂ€ren, was genau den Tropical Mode nun auszeichnet. Technisch betrachtet handelt es sich um ein Hochpassfilter, das genau das macht, was es soll, es lĂ€sst die hohen Frequenzen durch und unterdrĂŒckt die tiefen Frequenzen unterhalb einer fest definierten Frequenz. Wo genau diese Frequenzabsenkung greift, geht aus den mitgelieferten und online einsehbaren Dokumenten nicht hervor. Dieses Hochpassfilter ist nicht einstellbar. Das finde ich etwas schade, weil eine gewisse Eingriffsmöglichkeit, zum Beispiel ĂŒber ein Trimpoti, die FlexibilitĂ€t des Pedals noch erhöhen könnte.

Öffnet man das Pedal durch Lösen der vier seitlichen Schrauben, die die Bodenplatte halten, stĂ¶ĂŸt man auf ein wenig aussagekrĂ€ftiges, aber dafĂŒr umso schöneres Inneres. Wissen ĂŒber die verwendeten Bauteile erlangt man auf diese Weise also nicht, aber letztlich ist das ja auch egal, denn wenn das Ding gut klingt, ist es vollkommen unerheblich, warum es das tut. Und wenn es nicht klingt, natĂŒrlich auch. Ein bisschen Nebelkerze ist im Boutique-Bereich ja auch erlaubt. Falls eine(r) unserer Leserinnen oder Leser dieses Pedal schon mal chirurgisch genauer betrachtet hat, dann lasst uns aber gern teilhaben.

So klingt das Beetronics Abelha Tropical Fuzz

Um das klangliche Potenzial des Beetronics Abelha Tropical Fuzz zu demonstrieren, schließe ich das Pedal ohne Umwege direkt an mein UA Volt 476 Audiointerface an und fĂŒttere damit einen Ampsound Aus dem Scuffham Amps S-Gear Plug-in, dem lediglich ein bisschen Plattenhall fĂŒrs rĂ€umliche Wohlbefinden nachgeschaltet ist. Equalizer oder Kompressoren sind keine im Signalweg. Wer es genau wissen möchte: Der Referenzsound besteht aus dem „The Duke“ Amp mit Boost, Bright und Bass on, ausgegeben ĂŒber das Vintage Basketweave 4×12″ Cabinet, abgenommen mit einem SM57.

eetronics Abelha Tropical Fuzz Referenz Setup

Das Referenz-Setup fĂŒr den Test, zu hören im ersten Klangbeispiel

Beginnend mit der ersten Einstellung bin ich direkt geneigt, meinem Vorsatz, etwaige Fuzzpedale zu meiden, augenblicklich Folge zu leisten. Polen macht, wie versprochen, erst mal herrlich kaputt. Die sterbende Batterie bzw. der Low-Voltage-Effekt ist extrem und mir zu viel des Guten. Schaltet man zwischendurch in den Tropical Mode, macht das die Sache nicht unbedingt besser. Wem dieser Sound gefÀllt, der kommt hier aber voll auf seine Kosten. Sehr gut zu hören ist die Wirkung des Hochpassfilters im Tropical Mode.

Überrascht bin ich dann aber im Nectar Mode, wie satt und fast röhrig das Pedal klingen kann. Hier höre ich eher ein Overdrive und bin fuzzt wieder versöhnt. Der Honey Mode strafft dann die BĂ€sse noch mal deutlich und fĂŒgt ein paar durchsetzungsstarke Hochmitten hinzu, dieser Sound dĂŒrfte sich im Bandkontext fantastisch durchsetzen. Das zwischenzeitliche Umschalten in den Tropical Mode erfolgt absolut flĂŒssig und ohne zu knacksen, das ist erstklassig!

Zeit, mal ein wenig an den Reglern zu schrauben. Die nĂ€chsten Klangbeispiele entstammen alle dem gleichen Setup, die Namen der Files geben jeweils Auskunft ĂŒber die VerĂ€nderungen an den Reglern. Die NebengerĂ€usche nehmen bei höheren Buzz-Settings erheblich zu, aber ein Fuzz, das nicht buzzt, fuzzt nicht. Oder so Ă€hnlich. Nun ja, ohne Noisegate wĂŒrde ich das Teil nicht nutzen wollen.

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Fazit

Ich bin ĂŒberrascht, viel vielseitig und dynamisch das Beetronics Abelha Tropic Fuzz ist. Die beiden Einstellungen Nectar und Honey allein reichen mir schon, um vor dem Pedal in aller gebotenen Ehre den Hut zu ziehen. Der Polen Mode bietet völlig kaputte Sounds, die von Fans der unterversorgten Germanium-Fuzzes gefeiert werden dĂŒrften. Der Tropical Mode setzt dem ganzen das Bienenköniginnenkrönchen auf, damit kann man ganz hervorragend irren Riffs noch mehr WĂŒrze verleihen. 349,- Euro ist fĂŒr ein Boutique-Pedal sicherlich in Ordnung, aber eben auch kein SchnĂ€ppchen. Wer ein vielseitiges Fuzz sucht, sollte sich das Albelha Tropical Pedal aber mal in Ruhe anhören. Ich hĂ€tte mir die Möglichkeit gewĂŒnscht, die drei Modes noch per Fuß umschalten zu können, denn in meinem Alter kriecht man nicht mehr gern auf dem BĂŒhnenboden herum.

Plus

  • Sound
  • Optik
  • Verarbeitung
  • Optionen des Fußschalters
  • Verpackung komplett aus Pappe

Minus

  • NebengerĂ€usche bei höheren Gain-Settings

Preis

  • 349,- Euro
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Beetronics Abelha Tropical Fuzz
Beetronics Abelha Tropical Fuzz Bisher keine Kundenbewertung verfĂŒgbar
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    FĂŒr denselben Preis von 349€ erhĂ€lt der durchschnittliche Gitarrist sogar ein Tonex oder fĂŒr 25 Euro ein Behringer Fuzz, das ebenfalls ĂŒber 3 Modi verfĂŒgt und erstaunlich gut klingt! Ich ziehe keinen direkten Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, sondern eher zwischen einem Golf und einem Porsche. Das GehĂ€use ist von höchster QualitĂ€t und Ă€ußerst kunstvoll gestaltet. Doch um ehrlich zu sein, mĂŒsste man wohl ein absoluter Fuzz-Fan sein, der den ganzen Tag nichts anderes als Fuzz spielt, um an so etwas wirklich interessiert zu sein. Denn Geld wĂ€chst nicht auf BĂ€umen und die meisten von uns mĂŒssen hart dafĂŒr arbeiten. Was ich sagen will, ist einfach: FĂŒr mich persönlich ist es einfach zu teuer, auch wenn es verdammt cool aussieht.

  2. Profilbild
    DJ Ronny

    TEST: BEETRONICS ABELHA TROPICAL FUZZ, VERZERRER-PEDAL
    Mit Geschmack: geht aber muss nicht sein. Riecht doch schon genug
    😂

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